Die „Ich kann nicht“-Falle – 3 Wege, wie du aufhörst, dich selbst zu sabotieren
Warum uns alte Glaubenssätze manchmal stärker begrenzen als unsere tatsächlichen Fähigkeiten.
Kennst du diesen Satz?
"Das kann ich nicht."
Vielleicht hast du ihn schon oft ausgesprochen. Vielleicht sogar so oft, dass du gar nicht mehr darüber nachdenkst, ob er überhaupt stimmt.
Wir alle tragen Überzeugungen in uns, die im Laufe unseres Lebens entstanden sind. Manche davon geben uns Orientierung, stärken unser Selbstvertrauen und helfen uns, Entscheidungen zu treffen.
Andere wiederum können uns begrenzen.
Sie beeinflussen, was wir uns zutrauen, welche Möglichkeiten wir erkennen und welche Veränderungen wir überhaupt in Betracht ziehen.
Doch woher kommen diese Überzeugungen? Und wie können wir lernen, sie zu hinterfragen?
1. Erkenne deine eigenen Glaubenssätze
Ein Glaubenssatz ist eine Überzeugung, die wir über uns selbst, andere Menschen oder die Welt entwickelt haben.
Manche Glaubenssätze sind hilfreich.
"Ich kann dazulernen."
"Ich darf Fehler machen."
"Ich kann Herausforderungen bewältigen."
Andere können uns einschränken.
"Ich bin nicht gut genug."
"Dafür bin ich zu alt."
"Ich habe dafür kein Talent."
"Das schaffe ich sowieso nicht."
Das Entscheidende dabei ist: Nicht jeder Glaubenssatz entspricht einer überprüfbaren Tatsache.
Stell dir einen Menschen vor, der in seiner Schulzeit Schwierigkeiten mit einer Fremdsprache hatte.
Vielleicht hat er damals gehört, dass Sprachen einfach nicht seine Stärke seien.
Jahre später würde er gerne Italienisch lernen.
Doch noch bevor er den ersten Schritt macht, taucht dieser alte Gedanke wieder auf:
"Ich war schon immer schlecht in Sprachen."
Und genau hier beginnt die Falle.
Aus einer vergangenen Erfahrung wird eine vermeintlich unveränderliche Eigenschaft.
Dabei sagt eine einzelne Erfahrung noch lange nicht aus, was wir heute mit einer anderen Lernmethode, mehr Übung oder größerer Motivation erreichen könnten.
Mein Impuls für dich:
Denke an eine Veränderung, die du gerne in deinem Leben vornehmen möchtest.
Vervollständige folgenden Satz:
"Ich würde gerne ..., aber ich glaube, dass ..."
Und dann stelle dir eine weitere Frage:
"Woher kommt diese Überzeugung eigentlich?"
Vielleicht stammt sie aus deiner Kindheit, aus einer früheren Enttäuschung oder aus den Erwartungen anderer Menschen.
Allein diese Erkenntnis kann bereits der Anfang einer neuen Perspektive sein.
2. Stelle dir bessere Fragen
Unsere Gedanken beeinflussen, worauf wir unsere Aufmerksamkeit richten.
Wenn wir uns immer wieder dieselben Fragen stellen, beschäftigen wir uns häufig auch mit denselben Antworten.
Nehmen wir ein einfaches Beispiel.
Du möchtest etwas Neues beginnen, denkst aber:
"Warum kann ich das nicht?"
Vielleicht fallen dir sofort zahlreiche Gründe ein.
Du hast zu wenig Zeit.
Du bist nicht ausreichend vorbereitet.
Andere sind viel weiter als du.
Du könntest scheitern.
All diese Überlegungen können reale Aspekte enthalten. Doch wenn wir ausschließlich nach Hindernissen suchen, übersehen wir möglicherweise vorhandene Handlungsmöglichkeiten.
Was wäre, wenn du deine Frage veränderst?
Statt "Warum kann ich das nicht?" könntest du fragen:
"Was müsste ich lernen, damit ich es kann?"
Oder:
"Was wäre ein erster kleiner Schritt?"
"Welche Unterstützung könnte mir helfen?"
"Was kann ich heute bereits tun?"
Damit verschwinden die Schwierigkeiten nicht automatisch.
Aber du beginnst, sie aus einer anderen Perspektive zu betrachten.
Du suchst nicht mehr ausschließlich nach Gründen, warum etwas unmöglich erscheint, sondern prüfst, welche Voraussetzungen für eine Veränderung notwendig wären.
Das ist ein wesentlicher Unterschied.
Denn persönliche Entwicklung bedeutet nicht, dass wir uns jede Fähigkeit einfach einreden können.
Sie bedeutet vielmehr, dass wir bereit sind, Neues zu lernen, Erfahrungen zu sammeln und unsere bisherigen Überzeugungen immer wieder zu überprüfen.
Mein Impuls für dich:
Achte in den kommenden Tagen bewusst auf deine inneren Fragen.
Wenn du dich dabei ertappst, dass du vor allem nach Gründen suchst, warum etwas nicht funktionieren könnte, versuche eine neue Frage zu formulieren.
Eine Frage, die dir hilft, den nächsten möglichen Schritt zu erkennen.
3. Gestalte dein Umfeld bewusst
Wir Menschen entwickeln unsere Überzeugungen nicht unabhängig von unserer Umgebung.
Unsere Familie, Freunde, Kollegen und gesellschaftlichen Erfahrungen beeinflussen, wie wir über uns selbst und unsere Möglichkeiten denken.
Das ist grundsätzlich nichts Negatives.
Wir brauchen andere Menschen, um Erfahrungen auszutauschen, neue Sichtweisen kennenzulernen und unsere eigenen Entscheidungen zu reflektieren.
Schwierig kann es allerdings werden, wenn wir die Ängste und Erwartungen anderer ungeprüft zu unseren eigenen machen.
Stell dir vor, jemand möchte sich beruflich verändern.
Vielleicht träumt diese Person schon seit Jahren davon, eine neue Richtung einzuschlagen.
Doch aus dem persönlichen Umfeld kommen Sätze wie:
"Du hast doch einen sicheren Arbeitsplatz."
"Warum möchtest du dieses Risiko eingehen?"
"In deinem Alter würde ich das nicht mehr machen."
Solche Aussagen müssen nicht falsch sein.
Vielleicht gibt es tatsächlich finanzielle Verpflichtungen oder andere Risiken, die berücksichtigt werden sollten.
Doch entscheidend ist, ob wir eine bewusste Entscheidung auf Grundlage unserer eigenen Werte und einer realistischen Einschätzung treffen – oder ob wir lediglich die Vorstellungen anderer übernehmen.
Ein unterstützendes Umfeld muss uns nicht ständig zustimmen.
Im Gegenteil.
Menschen, die uns ehrlich und respektvoll hinterfragen, können besonders wertvoll sein.
Wichtig ist, dass sie uns dabei unterstützen, selbstständig zu denken und eigene Entscheidungen zu treffen.
Mein Impuls für dich:
Überlege, mit welchen Menschen du regelmäßig über deine Ziele sprichst.
Welche Gespräche helfen dir, neue Perspektiven zu entdecken?
Und bei welchen Gesprächen übernimmst du möglicherweise Grenzen, die gar nicht deine eigenen sind?
Veränderung beginnt mit Bewusstsein
Wenn wir uns selbst im Weg stehen, geschieht das häufig nicht absichtlich.
Wir handeln auf Grundlage dessen, was wir bisher erlebt und gelernt haben.
Manche dieser Erfahrungen sind hilfreich.
Andere können uns daran hindern, neue Möglichkeiten überhaupt zu erkennen.
Deshalb möchte ich dir drei Gedanken mitgeben:
Erstens: Erkenne deine Überzeugungen.
Frage dich, welche Gedanken du über dich selbst immer wieder wiederholst.
Zweitens: Hinterfrage deine Gedanken.
Nur weil du etwas lange geglaubt hast, muss es nicht unveränderlich sein.
Drittens: Achte auf dein Umfeld.
Höre anderen Menschen zu, aber vergiss nicht, deine eigenen Werte und Ziele zu berücksichtigen.
Natürlich gibt es im Leben tatsächliche Grenzen.
Nicht jede Herausforderung lässt sich allein durch eine veränderte Einstellung lösen.
Aber manchmal liegt zwischen dem, was wir heute können, und dem, was wir uns grundsätzlich zutrauen, ein großer Unterschied.
Und genau diesen Unterschied lohnt es sich zu hinterfragen.
Deine kleine Aufgabe für die nächsten Tage
Ich möchte dich zu einer einfachen Übung einladen.
Achte einmal ganz bewusst darauf, wann du dir selbst sagst:
"Das kann ich nicht."
Schreibe diesen Gedanken auf.
Und dann stelle dir drei Fragen:
Woher kommt diese Überzeugung?
Welche Erfahrungen sprechen dafür – und welche dagegen?
Was wäre ein kleiner, realistischer Schritt, um sie zu überprüfen?
Vielleicht entdeckst du dabei eine Grenze, die du bisher als selbstverständlich angesehen hast.
Und vielleicht entsteht daraus der Mut, etwas Neues auszuprobieren.
Denn nur weil du etwas bisher nicht geschafft hast, bedeutet das nicht, dass du es niemals schaffen kannst.
Ich wünsche dir viel Freude beim Hinterfragen deiner eigenen Gedanken und beim Entdecken neuer Möglichkeiten.
Manfred Binder
Life Coaching
